Der Ich-Erzähler, ein Thriller

Ich gondle gemütlich mit meinem zwölfzylinder Aston Martin über die Brooklyn Bridge, als sich plötzlich vor mir eine schwarze Limo querstellt, drei Männer in dunklen Anzügen herausspringen, mit Maschinenpistolen im Anschlag. Instinktiv ducke ich mich, reiße die Pistole heraus und das Lenkrad herum und fahre dem einen der Gangster gegen die Schienbeine, wärend über mir Kugeln die Windschutzscheibe durchlöchern. Da höre ich hinter mir etwas schnaufen. Verdammt, schon wieder ein Leser, der mir über die Schulter schaut und mir beim Denken zuhört! Habe ich denn eine Elektrode im Hirn? Hauen Sie ab Mann, ja? Ich hab jetzt keine Zeit für Sie, ich bin mit diesen Jungs beschäftigt, die versuchen, mich kaltzumachen. Jetzt kommt der zweite dran. Ich liege praktisch unter dem Armaturenbrett und lenke den Wagen blind in die Richtung, aus der die Kugeln pfeifen. Also warten Sie gefälligst, bis das Buch erscheint! Wie es sich gehört in der Vergangenheit und in der dritten Person geschrieben. Von einem professionellen Thrillerautor. Ich bin Geheimagent, ich schreibe keine Thriller. Geheimagenten schreiben langatmige, holperige Berichte an ihre vorgesetzte Stelle. Also haben Sie noch ein bisschen Geduld, ja. Oder noch besser, warten Sie auf die Verfilmung! Der dumpfe Aufschlag verrät mir, dass jetzt auch der zweite der beiden Grünschnäbel auf dem Asphalt liegt, ob tot oder lebendig, ist mir im Moment egal. Jetzt zu dem dritten Idioten … Sind Sie immer noch da? Raus hier! Sonst passiert es das erste Mal in der Literaturgeschichte, dass eine Romanfigur ihren Leser kaltmacht!

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