Nasreddin Hodscha und die Nationalökonomie

9. Juli 2010

Der Sultan von Usbekistan war einst in großen Schwierigkeiten. Handel und Wandel in Usbekistan lagen darnieder, da zu wenig Gold im Lande war, und der Sultan nahm keine Steuern ein. Der Sultan wusste schon nicht mehr, womit er seine Beamten und Soldaten bezahlen sollte. Er ließ alle seine Ratgeber zusammen kommen, aber keiner wusste eine Lösung. Schließlich wandte sich der Sultan an den Mullah Nasreddin Hodscha. Der besann sich eine Weile, dann sagte er: „Ich glaube, ich habe eine Lösung. Majestät besitzen doch ein ein Känguru?“
„Ja“, sagte der Sultan.
„Und außer Majestät besitzt niemand in diesem Land ein Känguru?“
„Nein“, sagte der Sultan.
„Und scheißt es, das Känguru?“
„Es scheißt,“ sagte der Sultan.
„Nun“, sagte Nasreddin Hodscha, „So erlassen Majestät ein Gesetz, dass die Beamten ab nun in Känguruscheiße bezahlt werden.“
Der Sultan kratzte sich am Kopf: „Ich fürchte, das werden sie nicht mögen“, sagte er.
„Sie werden“, sagte Nasreddin beschwichtigend. „Sie werden es mögen, sobald sie von dem zweiten Gesetz hören werden, das Majestät zu erlassen die Güte zu haben geruhen werden.“
„Und was ist das für ein Gesetz?“
„Ein neues Steuergesetz. Es verpflichtet jeden Bürger, am Ende des Jahres dem Finanzamt ein Böhnchen Känguruscheiße abzuliefern. Bei Nichtablieferung gibt es hundert Peitschenhiebe auf die Fußsohlen.“
Der Sultan schmunzelte: „Ein diabolischer Plan, mein lieber Nasreddin. Wenn er gelingt, wirst du Finanzminister.“
Der Plan wurde durchgeführt. Die Beamten erhielten monatlich zehn Böhnchen Känguruscheiße. Das erste legten sie für die Steuer zurück und für den Rest konnten sie so ziemlich alles eintauschen, was sie brauchten. Denn natürlich war jeder Bürger und jede Bürgerin des Landes begierig, in den Besitz von Känguruscheiße zu kommen, um den hundert Peitschenhieben zu entgehen. Bald war Känguruscheiße die anerkannte Währung des Landes und niemand redete mehr von Gold. Alle Staatsausgaben wurden in Känguruscheiße beglichen, der Handel kam wieder in Schwung, auf dem Markt und an der Börse zahlte man mit Känguruscheiße, im Bordell und in den Opiumhöhlen ebenso. Natürlich gab es auch Betrüger, die versuchten, armen halbblinden Witwen Kaninchenkötel oder Ziegendreck anzudrehen, es gab auch welche, die von den Känguruböhnchen ein wenig abschabten und so aus zehn Böhnchen elf machten, aber die Polizei des Sultans, bezahlt mit Känguruscheiße, legte ihnen bald das Handwerk beziehungsweise verlangte derart hohe Summen an Bestechungsscheiße, dass es sich für die Betrüger kaum lohnte. Usbekistan wurde ein blühendes Reich und Nasreddin Hodscha wurde Finanzminister und blieb es, bis das Känguru Durchfall bekam und starb. Dann wurde in Usbekistan Papiergeld eingeführt.

Der Himmer wird schwarz. …

18. Juni 2010

Der Himmer wird schwarz.
Ein Blitzschlag. Dann Stille.
Minutenlang.

Tags: ,

Der Mond rast dahin, …

12. Juni 2010

Der Mond rast dahin,
rast den Wolken entgegen.
Der Mond rast dahin.

Tags: ,

Sperling und Schere

1. Juni 2010

Katsushika Hokusai Sperling und Schere

Ein Maler malte ein Bild von einem Sperling und einer Schere.
„Was soll das?“ fragte man ihn, „Warum malst du einen Sperling und eine Schere? Was hat denn ein Sperling mit einer Schere zu tun?“
„Ja“, sagte der Maler, „hat die Schere nicht eine hübsche rote Quaste daran?“

Als Jesus merkte, …

31. Mai 2010

Als Jesus merkte,
dass er Gott war, schluckte er.
Dann schrie er vor Angst.

Tags: ,