Handwerk

Ich weiß ja nicht, wen’s interessiert. Es ist nur eine kleine Beobachtung.

Alpenländische Drechsler saßen auf einem Stuhl und trieben (bevor sie Motoren dazu einsetzten) die Drechselbank mit dem Fuß an, mit einem Pedal, wie es auch bei Spinnrädern eingesetzt wurde. Das Messer hielten sie in der rechten Hand und stützten es mit der linken.

Arabische Drechsler sitzen (manchmal noch) auf dem Boden, treiben die Drechselbank mit der linken Hand mittels einer Handkurbel an und stützen das Messer mit dem nackten linken Fuß ab.

Die alpenländische Arbeitsweise wird wohl mit den niedrigen Temperaturen zusammenhängen, die zumindest während eines Teils des Jahres das Tragen von Schuhen erfordern und so die Einsatzmöglichkeiten für den Fuß einschränken.

Der verbreitetere Gebrauch von Stühlen im Norden hängt sicher auch mit den Temperaturen zusammen (wenn man nicht gerade eine Fußbodenheizung hat, ist es 50 Zentimeter über dem Boden eben wärmer).

Das verbreitete Auf-dem-Boden-Sitzen in wärmeren Gegenden wurde möglicherweise nicht nur durch die höheren Temperaturen (für ärmere Leute gib’s wichtigere Dinge anzuschaffen als Stühle), sondern auch durch den oftmaligen Gebrauch der Füße zu handwerklichen Tätigkeiten bedingt.

Was man nicht wissen kann

Es gibt Dinge, die kann man aus logischen Gründen nicht wissen. Zum Beispiel kann niemand von sich selbst wissen, dass er naiv ist. Denn wenn man erst einmal darüber nachdenkt, ob man naiv ist, ist man es nicht mehr.

Dass jemand taktvoll ist, das können wiederum die anderen nicht wissen. Zumindest die nicht, denen gegenüber man den Takt bewahrt. Die können das höchstens ahnen oder vermuten. Und wenn A nicht merkt, dass B taktvoll nicht an Dinge rührt, die A verletzen könnten, so gibt es keinen Weg, wie B A darauf hinweisen könnte, ohne diesen Takt zu verletzen.

Wie kommt der Krieg in die Welt

Mein Aufsatz „Wie kommt der Krieg in die Welt“ ist neu überarbeitet auf meiner Homepage erschienen.

Der Aufsatz versucht, die Entwicklung menschlicher Gesellschaften als Spezialfall der Selbstorganisation komplexer Systeme zu betrachten. Die Grundthese ist, dass in der Epoche der Zivilisation, also den letzten 10.000 Jahren seit dem Übergang zur Landwirtschaft, die Produktion von Überschuss das entscheidende Moment im Wettbewerb der Kulturen war. Nicht die Kultur setzte sich durch, die den Menschen die beste Lebensqualität bot, sondern diejenige, die es am besten verstand, Überschüsse zu produzieren, die in die Erhöhung der Arbeitsproduktivität zwecks weiterer Steigerung der Überschüsse investiert werden konnten. Diese positive Rückkopplung hat einerseits zu den atemberaubenden Veränderungen in der Biosphäre des Planeten geführt, die wir heute sehen können, birgt aber die Gefahr der Selbstauslöschung in sich.
Der Artikel stellt die These auf, dass die Epoche der Zivilisation – als Epoche der exponentiellen Steigerung der Arbeitsproduktivität bzw. des Energiedurchsatzes – zu einem Abschluss gebracht werden muss, dass die Menschheit als Kollektiv von Individuen die Herrschaft über den spontanen Entwicklungsprozess der Gesellschaft gewinnen muss.
Der Autor ist der Meinung, dass eine radikal sozial und ökologisch orientierte gelenkte Marktwirtschaft eine nicht-expansive Gesellschaftsstruktur ermöglichen würde und so die Gefahr der Selbstzerstörung der Menschheit durch Krieg und Raubbau an Ressourcen minimieren würde.

Wem gehört dieser Garten?

„Wem gehört dieser Garten?“ riefen wir.
„Niemand!“ tönte es von hinter der Mauer.
„Wenn er niemand gehört, dann können wir getrost …“ begann mein Begleiter.
„Lass nur, es ist ein alter Witz“, sagte ich. „Wer ist dieser Niemand“, rief ich, „ist es ein großer Herr?“
„Der größte! Es ist der König Niemand, der Herrscher von Überall!“
„Ah ja. Und wenn wir den Garten betreten, dann wird Niemand uns einkerkern, Niemand uns foltern und Niemand uns köpfen lassen, ist das so?“
„Das ist so! Es sei denn … “
„Es sei denn was?“
„Es sei denn, ihr geht links um die Mauer herum bis zur Kasse und zahlt den Eintrittspreis!“
„Und der wäre?“
„Zwei Groschen jetzt und das erste, was euch beim Heimkommen entgegenläuft!“
„Also die Lieblingstochter!“
„Quatsch!“ kam eine zweite Stimme. „Der Eintritt kostet den Verstand, nichts weiter!“
„Gibt es Ermäßigung?“
„Nur mit Ausweis, Kriegsblinde gratis!“
„Und was kostet der Ausweis?“
„Zwei Groschen jetzt und das erste, was euch beim Heimkommen entgegenläuft!“
„Und den Verstand!“
„Und das Leben!“
„Und den letzten Nerv!“
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Finau und das Geld

William Mariner war ein englischer Matrose, der im Jahr 1805 bei der Südseeinsel Tonga Schiffbruch erlitt und lange Zeit dort lebte. Er hat seine Geschichte einem Schriftsteller namens John Martin erzählt.

Ein Tonganischer Häuptling hat mit seiner Frau die englische Kolonie Botany Bay besucht. Häuptling Finau, der Gastgeber William Mariners, unterhält sich mit ihm.

Zunächst war ihr Leben so schwierig, dass sie wünschten zu sterben. Alle Häuser waren ihnen verschlossen. Wenn sie jemanden essen sahen, wurden sie nicht eingeladen mitzuessen. Nichts konnten sie ohne Geld bekommen, dessen Wert sie nicht verstehen konnten, und auch nicht, wie man dieses Geld bekommen könnte. Wenn sie darum baten, gab ihnen niemand welches, außer, sie arbeiteten dafür, und dann war es so wenig, dass sie nicht ein Zehntel dessen bekommen konnten, was sie wollten. Eines Tages, als er spazieren ging, bemerkte der Häuptling einen Imbissladen. Und da er sah, dass viele Leute hineingingen und mit Lebensmitteln wieder herauskamen, war er sicher, dass dort Essen verteilt würde, wie es der alte Tonga-Brauch war. Und er ging hinein, froh über die Gelegenheit, und erwartete, dass er etwas Schweinefleisch bekommen würde. Nachdem er eine Zeitlang ängstlich gewartet hatte, dass er seinen Anteil bekommen würde, fragte der Geschäftsinhaber ihn, was er wollte, und warf ihn, da er eine unverständliche Antwort bekam, geradewegs hinaus, weil er ihn für einen Dieb hielt, der nur auf eine Gelegenheit zum Stehlen wartete. Weiterlesen

Essen auf Tonga

William Mariner war ein englischer Matrose, der im Jahr 1805 bei der Südseeinsel Tonga Schiffbruch erlitt und lange Zeit dort lebte. Er hat seine Geschichte einem Schriftsteller namens John Martin erzählt.

Mr. Mariner und seine Kameraden, ohne Kenntnis der Sprache des Landes und der Bräuche der Leute, waren oft sehr verzweifelt, weil sie nichts zu essen hatten: manchmal brachte man ihnen Essen, aber oft auch nicht; manchmal wurden sie von den Einwohnern eingeladen, ins Haus zu kommen und mit ihnen zu essen; aber oft schien man sie ziemlich zu vernachlässigen, und sie waren genötigt, sich das, was sie brauchten, heimlich zu verschaffen. Schließlich teilte Mr. Mariner dem König durch die Übersetzung Tui Tuis ihre Nöte mit. Der König war sehr überrascht über ihre offensichtliche Dummheit, und erkundigte sich, wie man sich denn in England Nahrung verschaffte. Und als er hörte, dass jedermann die nötigen Vorräte für sich und seine Familie selber durch Kauf erwarb, und dass seine Freunde allermeistens nur dann am Essen teilnahmen, wenn sie dazu aufgefordert wurden, und dass Fremde praktisch nie eingeladen wurden, da lachte er über die – wie er es bezeichnete – Schlechtigkeit und Selbstsucht der Weißen. Und er erzählte Mr. Mariner, dass die tonganische Sitte viel besser sei, und dass er, wenn er sich hungrig fühlte, nichts anderes zu tun brauchte, als in irgendein Haus, in dem gerade gegessen und getrunken wurde, hineinzugehen, sich hinzusetzen und mitzuessen.
Danach wurde unter den Einwohnern die Selbstsucht der Europäer, wie sie es nannten, geradezu sprichwörtlich: wenn irgendein Fremder in ihr Haus kam, um mitzuessen, dann sagten sie zum Spaß: Nein! Wir werden dich auf Papalangi-Art behandeln: Geh heim, und iss, was du hast, und wir werden essen, was wir haben.

Aus: Tonga Islands: William Mariner’s account : an account of the natives of the Tonga Islands in the South Pacific Ocean, with an original grammar and vocabulary of their language. Vava’u Press; 4th ed., 1981. ASIN B0006EB4WI