Herbstsonne

Ein bisschen Herbstsonne, ja.
Man ist ja nicht undankbar.
Und spielende Kinder im Park, sicherlich.
Bunte Blätter auch, wie denn nicht, die Wege sind voll davon.
Und schwangere Frauen, sie gehen und lächeln versonnen, versunken.
Die Jungs spielen Fußball, klar, der Ball leuchtet neonpink
im blättergesprenkelten Rasen,
und die Mädels joggen, gesundheitsbewusst,
und der Wind ist erstaunlich warm für die Jahreszeit.
Ist das ein Trost?
So bald wird der Himmel schon silbern.

Zu einem Interview mit dem Genetiker Markus Hengstschläger

In der Wiener Zeitung erschien dieses Interview mit Markus Hengstschläger unter dem Titel: „Es gibt nur eine „Rasse“: Homo sapiens“.

Eines gleich voraus: Jedes Menschenwesen ist gleich viel „wert“, ebenso jedes Volk, jede Nation, jede Sprachgemeinschaft, jede kulturelle Gemeinschaft usw.

Aber aus ideologischen Gründen die Wissenschaft zu vergewaltigen halte ich nicht für zielführend, um gegen den Rassismus aufzutreten. Was längst widerlegt ist, ist eine Rassentheorie, die die Menschheit nach ihrer Hautfarbe eingeteilt hat. Aber jeder Biologe und jede Biologin weiß: Wenn man eine Gruppe Lebewesen, die einer sich geschlechtlich fortpflanzenden Art angehören, in zwei getrennte Gruppen teilt, so wird man nach mehreren Generationen feststellen, dass in jeder der beiden Gruppen verschiedene genetische Eigenschaften in unterschiedlicher Häufigkeit vorhanden sind. Auch dann, wenn die äußeren Bedingungen für beide Gruppen gleich sind. Wenn zum Beispiel die Fellfarbe als Tarnfarbe keine Rolle spielt, kann es sein, dass in der einen Gruppe mehr gescheckte und in der anderen mehr einfarbige Tiere sind. Das nennt sich „genetische Drift“. Wenn aber die eine Gruppe sich mehr auf erdigem und die andere Gruppe sich mehr auf steinigem Grund aufhält, dann werden – beispielsweise – Raubvögel dafür sorgen, dass in dem einen Gebiet die erdbraunen bessere Chancen haben, sich fortzupflanzen und in dem anderen Gebiet die steingrauen. Das heißt dann Selektion.

Ob man diese Gruppen jetzt Rassen nennt oder Populationen, ist im Prinzip gehupft wie gesprungen.

Bei Hunde- oder Rinderrassen passiert im Grunde dasselbe, nur geht der Selektionsdruck nicht von natürlichen Gegebenheiten wie Untergrund, Nahrungsangebot, Klima, Fressfeinde etc. aus, sondern von den Wünschen und Vorstellungen der Menschen. Und die Populationen sind nicht geografisch voneinander getrennt sondern durch menschliches Eingreifen, das die Fortpflanzung regelt.

Warum soll jetzt das, was für Fische, Blumen oder Kaninchen gilt, für Menschen nicht gelten? Von einer „weißen“ Rasse zu sprechen, war vermutlich zu keiner Zeit sinnvoll, weil dieses äußere Merkmal der hellen Haut auf viele unterschiedliche Populationen zutrifft. Aber ich möchte einmal vermuten, dass man bis vor 100 Jahren markante Unterschiede im Genpool zwischen Ötztalern und Zillertalern hätte finden können.

Von einer „germanische“ Rasse zu sprechen ist wohl nicht sinnvoll und war es auch nie. Die Juden Osteuropas – zum Beispiel – aber waren über Jahrhunderte von anderen Populationen zwar nicht geografisch, aber sozial scharf getrennt. Ehen mit Angehörigen anderer Religionen war nicht erlaubt. Juden oder Jüdinnen, die zum Christentum übergetreten sind, sind im „christlichen Genpool“ untergegangen. Aber nur wenige Christen und Christinnen sind zum Judentum übergetreten. Warum sollen sich also unter den osteuropäischen Juden nicht genetische Merkmale angesammelt haben, die in dieser Häufigkeitsverteilung bei den umgebenden Polen, Ukrainern, Russen, aber auch bei den sephardischen und nordafrikanischen Juden nicht zu finden sind?

Wie man weiß, kommen viele Langstreckenläufer der Spitzenklasse aus Kenia. Und zwar gehören sie fast immer dem Stamm der Kalenjin an. Kein Wunder – die Kalenjin waren über Jahrhunderte Viehhirten in der Steppe. Langstreckenlauf gehört da zum Berufsbild.

Ein anderes Beispiel bringt Markus Hengstschläger selber, das ist das von der Sichelzellenanämie.

Bekannt ist auch, dass ein Großteil der Europäer auch im Erwachsenenalter Milchzucker verdauen kann, während die meisten Asiaten und Afrikaner das nur bis zum Kindesalter können.

Gibt es aber jetzt „bessere“ odere „schlechtere“ Rassen oder Populationen? Eine einfache Überlegung lässt das als unwahrscheinliche erscheinen: Fähigkeiten wie Intelligenz, Kraft, Geschicklichkeit und so weiter werden durch Schwierigkeiten herangezüchtet. Man hat zum Beispiel behauptet, Menschen aus südlichen Gegenden wären weniger tatkräftig, weniger intelligent und so weiter, weil die günstigen klimatischen Bedingungen weniger Herausforderungen an sie stellen würden. Nun ist es aber so, dass sich Menschen – genau wie andere Lebewesen – unter günstigen Bedingungen – sagen wir, bei einem großen Nahrungsangebot – schneller vermehren, und dadurch das Nahrungsangebot wieder knapp wird. So werden die Herausforderungen, die das Leben an die Menschen auf einer Südseeinsel stellt, bald wieder ebenso groß sein wie in der Arktis. Verschiedene ökologische Nischen können vielleicht unterschiedliche Formen von Intelligenz begünstigen, räumliches Sehen könnte sich z.B. bei Waldbewohnern anders entwickeln als bei Steppenbewohnern, aber im großen und ganzen verlangt jeder Lebensraum von seinen Bewohnern Intelligenz, Kraft und Geschicklichkeit. Vor allem müssen Menschenwesen überall soziale Intelligenz entwickeln, weil sie überall in Gruppen leben. Nach einigen Forschern und Forscherinnen sollen die Herausforderungen des Gruppenlebens sogar der Hauptmotor für die Evolution der Intelligenz gewesen sein.

Populationen oder Rassen sind natürlich auch nichts Starres, weder im Tierreich noch unter den Menschen. Geografische Barrieren können auch wieder verschwinden, soziale Barrieren ebenso. Und – wie Professor Hengstschläger richtig bemerkt und wie jeder Biobauer und jede Biobäuerin weiß – ist genetische Durchmischung ein Vorteil und Monokultur schädlich.