Die Logik der Diskriminierung

„Bürgermeister, 28, schikaniert Roma in seiner Stadt“
https://www.welt.de/politik/ausland/article144524401/Buergermeister-28-schikaniert-Roma-in-seiner-Stadt.html

In den Jahrhunderten, wo die Roma in Europa verfolgt worden sind, hat es immer Kräfte gegeben, die sie tatsächlich loswerden wollten. Es hat aber auch immer Kräfte gegeben, die die Roma keineswegs loswerden wollten, weil sie sie als Arbeitskräfte und Dienstleister sehr wohl gebraucht haben. Doch wer ständig von Vertreibung bedroht ist, muss seine – oder ihre – Arbeitskraft, seine – oder ihre – Dienstleistungen, seine – oder ihre – Ware billig hergeben, kann keine großen Forderungen stellen, muss nehmen, was man ihm oder ihr bietet. Darum war diesen Gruppen die Diskriminierung der Roma ganz recht, sie haben keinen Grund gehabt, etwas dagegen zu tun, obwohl sie die Roma gebraucht haben. Nein, WEIL sie die Roma gebraucht haben!

Das ist die eigentliche Logik der Diskriminierung: Der Ruf: „Die ANDEREN müssen FORT!“ bewirkt meistens NICHT, dass die ANDEREN wirklich verschwinden, sondern bewirkt, dass die ANDEREN für alles verfügbar gemacht werden, wofür man sie brauchen kann.

Manche mögen einen irrationalen Hass gegen eine bestimmte Gruppe haben, manche mögen sich vor Fremden fürchten, aber viele profitieren einfach von der Diskriminierung .
Man kann politisch davon profitieren, indem man die ANDEREN als Sündenböcke hinstellt um von den wahren Ursachen von Missständen abzulenken.
Man kann psychologisch profitieren, indem man eigene Ängste auf die ANDEREN projiziert.
Und man kann – vor allem – wirtschaftlich profitieren, weil die ANDEREN, die eigentlich gar kein Recht haben, da zu sein, nach Strich und Faden ausgenutzt werden können, geholt, wenn man sie braucht, und weggeschickt, wenn man sie gerade nicht braucht.
Und um nicht vor sich selbst als schlechter Mensch dazustehen, raionalisiert man dann, redet sich ein, dass die ANDEREN ihr Schicksal verdient haben, weil sie einen falschen Gott anbeten / keine Kultur haben / geborene Verbrecher sind / rassisch minderwertig sind oder sonstwas.

Setze für die ANDEREN ein: JUDEN, AUSLÄNDER, NEGER, MUSLIME …

Also noch einmal: „DIE ANDEREN DÜRFEN HIER NICHT SEIN!“ bedeutet in Wahrheit: Die ANDEREN dürfen hier nur sein als Geduldete, als Menschen zweiter Klasse, als verfügbare, dienstbare Masse, die man hin- und herschieben kann.

Solange, bis man sie eines Tages so weit entrechtet und beraubt hat, dass sie zu nichts mehr gut sind und einer Endlösung zugeführt werden müssen.