WARUM DIE VERSCHLEIERUNGSDEBATTE RASSISTISCH IST Oder: Wir dürfen reaktionär sein, ihr nicht!

Die Frau mit dem verschleierten Gesicht ist „in unserer westlichen Kultur“ ein Stereotyp, das ganz allgemein, nebulos und verwaschen „Orient“ meint, die „geheimnisvolle Welt des Ostens“. Im Faschingskostüm kommt das bestens zum Ausdruck. Als „Haremsdame“ und „Bauchtänzerin“ hat es erotische Bezüge. Als schwarz verschleierte Niqab-Trägerin hat es dämonische Bezüge.

Mit der Diskussion um #Niqab, #Hijab und #Burka soll suggeriert werden, dass von der Bevölkerungsgruppe, die aus diesem nur vage definierten „Orient“ kommt, eine Gefahr ausgeht. Da ist es völlig ohne Belang zu argumentieren, „Nikab und Burka sind gerade keine Symbole des Islam, sondern ein regionaler Brauch, der nicht durch die Glaubensfreiheit geschützt wird.“ wie die NZZ das tut. Auch in der Diskussion um den Islam geht es nicht um die Religion, sondern um die Bevölkerungsgruppe, die mit dieser Religion identifiziert wird. Wenn es heißt: „Der Islam gehört nicht nach Europa“, so ist damit meistens gemeint: „Die Muslime (Türken, Araber, Afghanen etc.) gehören nicht nach Europa.“

Es stimmt schon: Kleidung ist immer Symbol, ist immer eine Botschaft an die Mitwelt. Die Bekleidungsvorschriften in Saudiarabien und Iran sind eine Botschaft der Herrschenden ans Volk, sind Ausdruck der reaktionären Gesinnung der Herrschenden. Wenn wir eine Hijab-Trägerin in Teheran sehen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie davon gerne befreit wäre. Aber im Iran und in Saudiarabien würden auch Frauen GEGEN ein Verschleierungsverbot demonstrieren, wie sie es zur Zeit des Schah getan haben. Der Gesichtsschleier ist in diesen Ländern NICHT gesetzlich vorgeschrieben, dennoch tragen ihn viele Frauen.

Wenn eine Frau in Westeuropa voll verschleiert auf die Straße geht, demonstriert sie ganz sicherlich etwas. Das gutgemeinte „Bei uns darf doch jede anziehen, was sie will“ trifft hier nicht. Es geht hier nicht bloß um Mode oder persönlichen Geschmack. Der Gesichtsschleier ist ein Symbol, eine Botschaft. Nur ist diese Botschaft nicht so eindeutig. Die Botschaft kann lauten: „Ich bin eine anständige Frau und kein Flittchen!“ oder: „Ich habe sehr konservative Vorstellungen von Familie und Ehre“. Sie kann auch heißen: „Ich identifiziere mich mit den reaktionären und antidemokratischen Anschauungen der Salafisten, ich bin für die Scharia, fürs Kopfabhacken und die Genitalverstümmelung“. Kann. Muss aber nicht.

Nun darf man bei uns konservativ sein. Sogar reaktionär. Und obwohl die Todesstrafe bei uns abgeschafft ist, ist es nicht verboten, für die Wiedereinführung der Todesstrafe einzutreten. Es ist verboten, zu terroristischen Handlungen aufzurufen. Aber dass das Tragen eines Niqab einen derartigen Aufruf darstellt, wird schwer nachzuweisen sein. Der Niqab ist keine Parteiuniform.

Nein, ich würde eine Niqab-Trägerin nicht in ein politisches Amt wählen. Ich wünsche mir auch keine Niqab-Trägerin als Religionslehrerin für die muslimischen SchulkollegInnen meiner Tochter. Weil ich die bestenfalls sehr konservative Einstellung, die sie mit ihrer Kleidung zum Ausdruck bringt, ablehne. Aber ich lehne entschieden ab, dass es verboten sein soll, eine konservative, erzkonservative, reaktionäre oder erzreaktionäre Einstellung durch einen Gesichtsschleier zum Ausdruck zu bringen, kurz, gegen ein Verbot von Niqab und Burka. Weil damit – um nun an die Argumentation zu Beginn meines Artikels anzuknüpfen – die konservative oder reaktionäre Einstellung von Mitgliedern einer bestimmten Bevölkerungsgruppe gemeint ist, nämlich der, die da aus diesem „Orient“ kommt.

Ein allgemeines Verbot, konservative oder reaktionäre Anschauungen zum Ausdruck zu bringen, wäre antidemokratisch. Es einer bestimmten Bevölkerungsgruppe verbieten zu wollen, ist rassistisch. Es würde bedeuten: „Wir dürfen reaktionär sein, ihr nicht!“272

Gott-Cartoon

Ich habe mir ein Cartoon über Gott ausgedacht, aber weil ich nicht zeichnen kann, muss ich es beschreiben:

1. Panel:
Man sieht den Teufel – elegant gekleidet à la Burgtheatermephisto – in der Hölle arme Seelen mit einer Mistgabel in eine Feuergrube stoßen.

2. Panel:
Der Teufel schaut auf seine Rolex, es ist Dienstschluss.

3. Panel:
Der Teufel in der Garderobe. Der schwarze körperenge Anzug hängt an einem Kleiderbügel im Schrank. Der Teufel hat ein weites weißes Gewand angelegt. Er nimmt gerade die Mephistokappe mit den Hörnern ab, so dass sein wallendes weißes Haupthaar sichtbar wird. Hinter ihm steht ein Engel und hält den dreieckigen Heiligenschein bereit.

4. Panel
Nun sitzt er im Saal des jüngsten Gerichts auf dem Richterstuhl, eine endlose Reihe armer Seelen steht da und schaut zitternd zu ihm auf. Links hinter ihm das Tor zur Hölle, rechts das Tor zum Himmel. Er schaut streng die arme Seele vor ihm an und zeigt nach links, wo schon eine lange Reihe Verdammter angestellt steht, um von den Unterteufeln in Empfang genommen zu werden. Vor dem recht Tor steht niemand.