Liebes Big Data

Die schöne, große, weite, bunte Welt der Werbung wird immer eintöniger und öder, seit du mir auf mich persönlich zugeschnittene Reklame schickst. Ich bin ein Mann, ich möchte aber trotzdem über Bikinimode informiert werden (oder sagen wir: gerade deswegen) . Ich steige aus Prinzip nicht zu meinem Privatvergnügen in ein Flugzeug, aber darf ich deswegen die Traumstrände der Welt nicht wenigstens im Bild genießen? Ich kaufe nie Weichspüler, aber das kuschelweiche Bärli ist doch süß. Meine kleine Tochter ist schon lang aus den Windeln heraus, aber putzige Babys in Pampers sind doch immer herzerwärmend. Ich konsumiere verantwortungsbewusst, aber ich möchte doch wenigstens sehen, was ich alles nicht konsumiere, damit ich mich innerlich damit brüsten kann.

Nein, liebes Big Data, ich will den ganzen Scheiß eh nicht sehen, nämlich überhaupt nicht. Aber wenn ich schon Scheiß sehen muss, dann bitte wenigstens mit Abwechslung; Waschmittel und SUVs und Heimwerkerwerkzeug und Outdoorausrüstungen und HiFi-Anlagen und Hautcremen und Damenstrümpfe und Herrenpullis und Rasierapparate und Barttrimmer und Schlafzimmereinrichtungen und Haartrockner und Epilierwachs und Disneyfilmmerchandisingpuppen und alles, was die Welt an Unnützem und Überflüssigem zu bieten hat, nur nicht immer Grammarly!

Flüchtlingskrise

Gestern Abend habe ich den Geschirrspüler eingeschaltet und bin schlafen gegangen. Heute früh mache ich ihn auf – und finde ein Ameisenvolk darin. Nicht einzelne Ameisen auf Futtersuche, ein ganzes Volk wimmelt da um Massen von Eiern und Larven zwischen den gewaschenen Tellern und Töpfen herum. Gespenstisch. Es ist, als wären sie vor irgend etwas geflüchtet – vielleicht ist ihr Bau vom Regen überschwemmt worden – und hätten sich mit Sack und Pack ins Haus und in meinen Geschirrspüler gerettet. Und ich? Ich drehe den Temperaturregler auf 70 Grad, schließe die Tür und schalte den Geschirrspüler noch einmal ein. Lustig ist das nicht.