Berechtigt sozialer Determinismus zum Fatalismus?

(Überlegungen zu einem Seminar über Anthropologie des Krieges)

Wenn sich die sozialen Gesetzmäßigkeiten unabhängig vom Willen der Menschen durchsetzen, heißt das also, dass wir uns nur zurücklehnen, die Arme verschränken und zuschauen können, wie die Geschichte ihren Lauf nimmt? Ich glaube nicht. Denn die sozialen Gesetzmäßigkeiten setzen sich gerade dadurch durch, dass Menschen etwas TUN. Es stimmt schon, dass (beispielsweise) das Erstarken des Feminismus eine Folge davon ist, dass die Frauen in die wirtschaftlichen Prozesse hineingezogen worden sind, und nicht die Ursache. Trotzdem würde es alle die Rechte, die Frauen heute haben und früher nicht hatten, nicht geben, wenn Feministinnen sie nicht erkämpft hätten. Zu einer anderen Zeit hätten sie das nicht erreichen können, das stimmt, aber von selber wären diese Rechte auch nicht gekommen.

Revolutionen können nur geschehen, wenn die Zeit dafür reif ist, wenn der historische Moment dafür gekommen ist. Aber wenn der historische Moment da ist, und niemand etwas tut, dann passiert auch nichts.

Ob der Weltfrieden eines Tages möglich sein wird, können wir nicht wissen. Wir können es nicht wissen, weil wir die Entwicklung aller Parameter, die sich darauf auswirken, nicht vorhersagen können. Zum Beispiel, wie sich die Automatisierung und Roboterisierung, die ja schon begonnen hat, auf die globale Ressourcenverteilung auswirken wird. Aber wenn der historische Moment kommt und es sind keine HumanistInnen und IdeologInnen da, die den Frieden predigen und die Frage stellen, ob man die Waffen noch braucht, dann bleiben die Atomsprengköpfe eben scharf.

Aus dieser Sicht kann man allen WeltverbesserInnen und TräumerInnen nur sagen: Ja, verfolge deine Utopie, arbeite sie aus, propagiere sie, und sollte die Zeit für diesen Traum reif werden, dann wird er verwirklicht werden. Oder um es in den trockenen Worten der Makrosoziologie auszudrücken: Wenn deine Ideologie funktioniert, dann wird sie sich durchsetzen.

Aber es gibt noch einen Gesichtspunkt, der in diesem Seminar meiner Meinung nach zu kurz gekommen ist: Der Mechanismus, durch den sich evolutionäre Gesetzmäßigkeiten durchsetzen, ist Mutation und Selektion. Selektion geschieht unter anderem durch Konkurrenz. Aus der Biologie wissen wir, dass eine Spezies, die „gut genug“ angepasst ist, theoretisch unbegrenzt überleben kann (solange die Umweltbedingungen sich nicht ändern). Wenn aber eine besser angepasste Spezies in ihre Nische eindringt, wird die weniger gut angepasste verdrängt. Als in Nordamerika Placentatiere aus Asien einwanderten, verdrängten sie die dortigen Beuteltiere. In Australien konnten sich Beuteltiere – ohne die Konkurrenz von Placentatieren – bis in die Gegenwart bestens halten.

In der gesellschaftlichen Evolution haben sich jeweils die produktiveren Gesellschaften gegen die weniger produktiven durchgesetzt, und nicht die, die für die Menschen die angenehmeren waren. Daher der Trend zu immer mehr Ungleichheit: Je mehr von den Ressourcen, die die arbeitende Mehrheit der Bevölkerung erzeugt, die Eliten bei sich konzentrieren können, um so mehr können sie investieren – einerseits direkt ins Militär, andererseits in technische Entwicklungen, die die Produktivität und damit auch wieder die militärische Schlagkraft erhöhen. So waren also Ausbeutergesellschaften gegenüber egalitären Gesellschaften praktisch immer überlegen.

Aber wenn gesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten sich durch Konkurrenz durchsetzen – was ist, wenn die Konkurrenz irgendwie aufgehoben werden kann?

Zum Beispiel bestimmt sich in der Marktwirtschaft die Höhe von Preisen durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Wenn das Angebot hoch ist, stehen die Anbieter miteinander in Konkurrenz: Ich muss meine Ware billiger hergeben, sonst verkauft mein Konkurrent seine Ware. Wenn die Nachfrage hoch ist, stehen die Käufer in Konkurrenz: Ich muss mehr zahlen, sonst bekommt mein Konkurrent die Ware.

Angebot und Nachfrage bestimmen auch den Preis, den Arbeitende für ihre Arbeitskraft bekommen können, also die Löhne und Gehälter. Durch den technischen Fortschritt – durch Rationalisierung – werden immer wieder Arbeitende überflüssig gemacht. Das Angebot an Arbeitskräften ist also meistens höher als die Nachfrage. Dadurch stehen die Arbeitenden in Konkurrenz zueinander. Wer den Job haben will, muss akzeptieren, was geboten wird. Durch die Bildung von Gewerkschaften ist es den Arbeitenden aber gelungen, die Konkurrenz untereinander auszuschalten. Wenn sie einander nicht konkurrieren, können sie höhere Löhne erzielen, als sie beim freien Spiel von Angebot und Nachfrage bekommen würden. Im schlimmsten Fall können sie streiken. Wenn sie die Konkurrenz untereinander durch Abmachungen verhindern, können sie also soziale Gesetzmäßigkeiten – bis zu einem gewissen Grad jedenfalls – aushebeln. Die Erfolge, die sie auf nationaler Ebene in vielen Ländern erreicht haben, werden durch die Globalisierung teilweise wieder zunichte gemacht, weil heute Arbeitende auf der ganzen Welt miteinander konkurrieren. Doch prinzipiell kann auch diese Konkurrenz aufgehoben werden.

Kann auch die Konkurrenz zwischen Staaten, zwischen Gesellschaften aufgehoben werden?

Meiner Meinung nach gibt es heute zwei Arten von Konflikten: Erstens: Konkurrenz um Ressourcen, allen voran ums Öl, vielleicht bald auch um Wasser oder auch – wegen der globalen Erwärmung – um bebaubares Land. Ein Konflikt um Ressourcen kann aber auf unterschiedliche Arten gelöst werden: Durch gewaltsame Aneignung – oder durch eine bessere Nutzung der vorhandenen Ressourcen, so dass sie dann doch für alle reichen. Wie weit können z.B. nachhaltige Energiegewinnungsmethoden den Konflikt ums Öl entschärfen? Man müsste es ausrechnen.

Die zweite Form von Konflikt ist die Konkurrenz um Märkte. Da die Konkurrenz unter den Unternehmen sie dazu drängt, Kosten zu sparen, um billiger verkaufen zu können, sind alle Unternehmen dazu gedrängt, die Löhne möglichst niedrig zu halten. Dadurch hat die Bevölkerung aber nicht die Kaufkraft, um alles, was produziert wird, auf die eine oder andere Art wieder zu konsumieren (Auch die Unternehmen, die Produktionsgüter herstellen, sind darauf angewiesen, dass die Konsumgüterindustrie floriert und Produktionsgüter nachfragt). Daher die Konkurrenz um Märkte, die schon zu zwei Weltkriegen geführt hat. Wenn es den Arbeitenden global gelingt, die Konkurrenz untereinander aufzuheben und sich dadurch einen höheren Anteil an den von ihnen geschaffenen Werten zu sichern, kann das die Konkurrenz um Märkte entschärfen. Genug, um den nächsten Weltkrieg zu verhindern?

In den Naturwissenschaften suchen wir nach Gesetzmäßigkeiten, um sie anzuwenden. Jede Gesetzmäßigkeit, die wir anzuwenden lernen, erweitert unsere Handlungsmöglichkeiten, macht uns freier. Wenn wir die Gesellschaft mit naturwissenschaftlichen Methoden nach Gesetzmäßigkeiten untersuchen, warum sollen die gefundenen Gesetzmäßigkeiten sich nicht anwenden lassen? Das Problem ist: Damit die Gesellschaft die erkannten gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten auf sich selbst anwenden kann, müssen viele Menschen sich einigen. Das ist nicht leicht. Aber im Gegensatz zu anderen Systemen besteht das System Gesellschaft aus Elementen, die denken und erkennen können. Und wenn Spencer, Carneiro, Ferguson, Hakami und wir SeminarteilnehmerInnen das System durchschauen können, warum sollten das nicht alle Menschen können?

Das fundamentale Problem

“Das fundamentale Problem ist nicht, dass einige Wenige so vermögend sind. Sondern dass zu viele Menschen nur sehr wenig bis nichts besitzen. Wie denken Sie darüber?” fragt Agenda Austria.

Hier meine Antwort:

Das fundamentale Problem ist nicht, dass einige wenige viel haben. Das Problem ist nicht, dass sie mehr Luxusvillen, Privatjets und Jachten haben als die vielen. Sondern dass diese wenigen bestimmen, was die vielen zu produzieren haben. Und sie lassen nicht das produzieren, was der Gesellschaft am meisten nützt, sondern das, was ihnen den größten Gewinn bringt. Und zwar nicht, weil sie persönlich so gierig sind, sondern weil sie Gewinn brauchen, um investieren zu können, weil sie sonst von der Konkurrenz verdrängt werden. Wenn Gift den größten Gewinn verspricht, produzieren sie Gift (z.B. Monsanto), wenn Waffen den größten Gewinn versprechen, produzieren sie Waffen (z.B. Lockheed). Gesunde Nahrungsmittel produzieren sie nur, wenn damit genug zu verdienen ist. Sie produzieren Bio für den Mittelstand und Junkfood für die Armen. Sie investieren in Umweltschutz, wenn es dafür Abnehmer gibt, und sie zerstören die Umwelt, wenn ihnen niemand auf die Finger schaut (z.B. Palmöl). Darüber, was das Produkt tatsächlich leistet, lassen sie die Konsumenten und die Öffentlichkeit nach Möglichkeit im Unklaren (z.B. VW). Sie lassen nach Möglichkeit dort produzieren, wo die Arbeitskraft am billigsten ist, wo die Steuern am niedrigsten sind, die Umweltauflagen am laxesten und die Sozialgesetzgebung am unmenschlichsten (z.B. Textilindustrie). Wie viel sie das Produkt wirklich gekostet hat, unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde und von wem, das verraten sie nur, wenn man es ihnen nachweisen kann. Sie bezahlen Lobbyisten, um gewählte VolksvertreterInnen für ihre politischen Pläne zu gewinnen, sie finanzieren Wahlkämpfe und sie stützen Diktaturen und finanzieren Armeen und Banden, die Menschen daran hindern, sich gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen zu wehren (z.B. Shell in Nigeria, z.B. Chevron-Texaco in Ecuador).

Noch was? Ich kann ja hier kein Buch schreiben.

Noch mal: Sie tun das nicht, weil sie böse Menschen sind. Sie können nicht anders. Die Konkurrenz zwingt sie dazu. Die Gesellschaft als ganzes – und das ist heute freilich die Weltgesellschaft – muss sich einigen, was sie produziert haben will und wie. Solange die Staaten darum wetteifern, den Investoren die günstigsten Bedingungen zu bieten, werden sie in eine Abwärtsspirale getrieben (z.B. Unternehmenssteuern). Solange sich die Arbeitenden mit dem Argument des Wirtschaftsstandorts gegeneinander ausspielen lassen, werden österreichische und chinesische Arbeitende gleichermaßen draufzahlen. Wenn in allen Ländern ähnliche Umweltschutzbestimmungen durchgesetzt wären, würde es für kein Unternehmen einen Konkurrenznachteil bedeuten, sich daran zu halten.

Das fundamentale Problem ist, dass ALLE Unternehmen eigentlich ein Interesse daran haben, dass die Masse über genügend Kaufkraft verfügt, um das, was sie produziert, auch konsumieren zu können. Doch auf Grund der Konkurrenz ist jedes EINZELNE Unternehmen gezwungen, Kosten zu sparen, um den Gewinn für Investitionen zu erhöhen – also auch Lohnkosten zu sparen. Alle zusammen bewirken also, dass die Kaufkraft der Massen zu niedrig ist, obwohl sie alle ein Interesse daran hätten, dass sie hoch genug wäre.

Entgegenwirken können dem nur starke Gewerkschaften. Und heutzutage nur global agierende Gewerkschaften. Wir brauchen global agierende Gewerkschaften, genau so, wie wir global agierende Umweltschutzorganisationen brauchen, global agierende Konsumentenschutzorganisationen, global agierende Menschenrechtsorganisationen, also Organisationen, die tatsächlich die Interessen der Mehrheit der Weltgesellschaft vertreten und durchsetzen.

Noch was? Ich kann ja hier kein Buch schreiben.

Bei der Evolution weiß man nie, was rauskommt

Es gibt eine Zeitschrift für Unkrautwissenschaft. Eigentlich nur auf den ersten Blick überraschend. In dieser habe ich gelesen, wie der Roggen zur nützlichen Pflanze geworden ist: nämlich weil die Menschen ihn weghaben wollten!

Vor ungefähr zehntausend Jahren haben Menschen im Nahen Osten angefangen, Weizen anzubauen. Der Roggen, ein naher Verwandter des Weizens, hat sich auf den Weizenäckern wohlgefühlt. Er war den Menschen aber zu nichts nütze, denn er hatte nur wenige kleine Körner, und außerdem war er mehrjährig, das heißt, eine junge Pflanze brachte im ersten Jahr gar keine Samen hervor. Aber in den Weizenfeldern ist er prächtig gediehen. Klarer Fall von Unkraut also.

Daher haben die Menschen die Roggenpflanzen ausgerissen, wenn sie sie gesehen haben. Und am leichtesten entdeckt haben sie natürlich die, die am wenigsten wie Weizen ausgesehen haben. Je ähnlicher eine junge Roggenpflanze dem Weizen war, um so besser war ihre Chance, beim Jäten übersehen zu werden. Also ist der Roggen dem Weizen von Generation zu Generation immer ähnlicher geworden, mit größeren Körnern, die weniger leicht abgefallen sind.

Das zweite was passiert ist, war, dass einige Mutanten unter den Roggenpflanzen doch schon im ersten Jahr ausgesamt haben. Wenn die Menschen nach der Ernte ihre Äcker umgegraben haben, haben sie die Wurzeln der Roggenpflanzen dabei ausgerissen. Aber die Körner sind im Boden geblieben. Also ist der Roggen nach und nach einjährig geworden. Aus dem Unkraut ist ein brauchbares Getreide geworden und durfte in den Äckern stehen bleiben. Und als sich der Ackerbau nach Norden ausgebreitet hat, hat sich gezeigt, dass der Roggen ein härteres Klima aushält als der Weizen, und so war der Getreideanbau im Norden überhaupt erst möglich. Bingo!

Herausgefunden hat das Ganze ein russischer Botaniker namens Nikolai Vavilov. Der ist bei Stalin in Ungnade gefallen und Stalin hat ihn ermorden lassen.

Meisten geht die Sache für uns aber nicht so gut aus wie beim Roggen. Je ausgefeilter die Techniken zur Unkrautvernichtung werden, um so besser passt sich das Unkraut an. Dass Unkräuter resistent werden gegen Herbizide, ist relativ bekannt. Wenn Unkräuter aber nach äußerlichen Gesichtspunkten gejätet werden, passen sie sich äußerlich an. Es gibt zum Beispiel eine Pflanze, die inzwischen fast perfekt wie Linsen aussieht, aber leider nicht essbar ist, weil die Früchte bitter schmecken. Zur Bekämpfung werden Jätroboter eingesetzt, die das Unkraut optisch erkennen sollen. Die tun sich aber von Jahr zu Jahr schwerer …

Der Mann, der die Insekten liebte

Der Entomologe Jean-Henri Fabre
Ulrike Schmitzer im Gespräch mit Martin Auer
Sendung “Dimensionen”, Ö1, vom 30. Juni 2019

Fabre hielt seine Beobachtungen in literarischen Texten fest. Die 4.000 Seiten faszinieren noch heute in ihrer Detailgenauigkeit und Poesie. – Der Verlag Matthes & Seitz hat jetzt eine 10-bändige Gesamtausgabe seines Werkes fertiggestellt.

Martin Auer hat die erste deutschsprachige Biographie des Forschers geschrieben unter dem Titel “Ich aber erforsche das Leben”.

Liebes Big Data

Die schöne, große, weite, bunte Welt der Werbung wird immer eintöniger und öder, seit du mir auf mich persönlich zugeschnittene Reklame schickst. Ich bin ein Mann, ich möchte aber trotzdem über Bikinimode informiert werden (oder sagen wir: gerade deswegen) . Ich steige aus Prinzip nicht zu meinem Privatvergnügen in ein Flugzeug, aber darf ich deswegen die Traumstrände der Welt nicht wenigstens im Bild genießen? Ich kaufe nie Weichspüler, aber das kuschelweiche Bärli ist doch süß. Meine kleine Tochter ist schon lang aus den Windeln heraus, aber putzige Babys in Pampers sind doch immer herzerwärmend. Ich konsumiere verantwortungsbewusst, aber ich möchte doch wenigstens sehen, was ich alles nicht konsumiere, damit ich mich innerlich damit brüsten kann.

Nein, liebes Big Data, ich will den ganzen Scheiß eh nicht sehen, nämlich überhaupt nicht. Aber wenn ich schon Scheiß sehen muss, dann bitte wenigstens mit Abwechslung; Waschmittel und SUVs und Heimwerkerwerkzeug und Outdoorausrüstungen und HiFi-Anlagen und Hautcremen und Damenstrümpfe und Herrenpullis und Rasierapparate und Barttrimmer und Schlafzimmereinrichtungen und Haartrockner und Epilierwachs und Disneyfilmmerchandisingpuppen und alles, was die Welt an Unnützem und Überflüssigem zu bieten hat, nur nicht immer Grammarly!

Flüchtlingskrise

Gestern Abend habe ich den Geschirrspüler eingeschaltet und bin schlafen gegangen. Heute früh mache ich ihn auf – und finde ein Ameisenvolk darin. Nicht einzelne Ameisen auf Futtersuche, ein ganzes Volk wimmelt da um Massen von Eiern und Larven zwischen den gewaschenen Tellern und Töpfen herum. Gespenstisch. Es ist, als wären sie vor irgend etwas geflüchtet – vielleicht ist ihr Bau vom Regen überschwemmt worden – und hätten sich mit Sack und Pack ins Haus und in meinen Geschirrspüler gerettet. Und ich? Ich drehe den Temperaturregler auf 70 Grad, schließe die Tür und schalte den Geschirrspüler noch einmal ein. Lustig ist das nicht.

Was hat Nationalismus damit zu tun, wenn kein Geld für Gesundheit und Bildung da ist?

Die AK schreibt: “Die Senkung der Körperschaftssteuer wird damit begründet, dass Österreich im internationalen Steuerwettbewerb mithalten muss. Unter Steuerwettbewerb versteht [man] (vereinfacht gesprochen) den Wettbewerb zwischen Staaten um die attraktivsten steuerlichen Standortbedingungen. Wenn das Nachbarland, z.B. Ungarn, seine Körperschaftssteuer auf 10% senkt, dann muss Österreich nachziehen, so die Logik. Die wissenschaftliche Literatur zeigt, dass die Hauptprofiteure dieses Steuerwettbewerbs große multinationale Konzerne sind, die ihre Gewinne in das Land mit der geringsten Steuerbelastung verlagern. Leidtragende sind ArbeitnehmerInnen und KonsumentInnen, die einen größeren Beitrag zum Steueraufkommen leisten müssen, wenn sie die öffentliche Infrastruktur und die sozialstaatlichen Leistungen erhalten wollen.” Soweit die AK.
Den “eigenen” Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kann man also diese Begünstigung der Unternehmen immer verkaufen, denn man schützt damit ja die ihre Arbeitsplätze. Und kurzfristig stimmt es ja. Aber würden die europäischen Gewerkschaften GEMEINSAM diese Abwärtsspirale bekämpfen, würde es nicht mehr stimmen. INTERNATIONALISMUS wäre also angesagt. Doch was wird verbreitet? NATIONALISMUS. Warum wohl? NATIONALISMUS SCHADET UNS ALLEN!

Facebook löscht (wieder einmal) ein antifaschistisches Video

“A Hitla ghert wieder her!”
Vielleicht sollte man die, die sich heute wieder einen starken Mann wünschen, daran erinnern, wie es “untam Hitla” auch denen ergangen ist, die damals glaubten, sie wären die Herrenrasse. Wie Adorno sagte: “Es gibt also ein drastisches egoistisches Interesse, an das sich appellieren ließe“.

„A Hitla ghert wieder her“, sagst du.
„A Hitla, der aufraamt mit dem Gsindel, des was si da bei uns braat macht,
mit die Bloßfiaßign, die was si auf unsere Kosten
ins gmachte Bett legn wolln, weil s’ es dahaam zu nix bringan,
mit die Neger, die was unsere Kinder mit Drogen vergiftn,
mit die Kameltreiber, was mit eahnere Moscheen unser Landschaft verschandeln,
mit die Kopftuachweiber, die zu fäul san, dass s’ Deitsch lernan,
und mit eahnare sechs Bankertn
von der Kinderbeihilfe leben
auf unsere Kosten!
A Hitla ghert wieder her, der aufraamt,
a Hitla, der die Judn vergast hat, die Zeugen Jehovas aufghängt und die Kommunisten en Schädel abghackt hat.“
„A Hitla ghört wieder her“, sagst du, „der aufraamt“,
weil DU, du ghörst ja net zu dem Gsindel,
du bist ja kaa Bloßfüaßiger, kaa Neger, kaa Kameltreiber, kaa Kopftuachgretl,
du bist ja kaa Jud, kaa Zigeuner, kaa Kummerl,
weil du, wann amoi aufgraamt is,
dann ghörst ja DU zu die HERRN!
Dann ghörst ja du zu die Herrn, die die Goschn haltn miassn,
wann die Wurscht immer teurer wird und nur mehr nach Mehl schmeckt,
zu die Herrn, denen s’ die Kinder abrichten,
dass s’ den Vater anzaagn, wann er si über die Steuern aufregt,
zu die Herrn, die zu kaaner Wahl geh’n brauchen,
weil’s kaane Parteien mehr gibt,
zu die Herrn, die in der Zeitung nur lesn dürfn,
was der Propagandaminister erlaubt.
Dann ghörst ja du zu die Herrn,
die si für ihr Gehalt immer weniger kaufen könnan,
weil der Führer Raketn braucht.
Dann ghörst ja du zu die Herrn,
die in der Schlangen vorm G’schäft kaane Witz’ übern Ernährungsminister machen dürfen,
weil s’ sunst nämlich aa ins KZ kumman!
Dann ghöst ja du zu die Herrn
die vors Gricht gstellt werden, wann s’ sagn, dass da Führer an Kriag anfangt,
und du ghörst dann zu die Herrn, die an die Front gschickt werden,
wann der Kriag anfangt.
Ja, du ghörst dann zu die Herrn, die verbliatn dürfen,
desmal in China vielleicht oder in Afrika
und wann s’ net verbliatn, dann verstrahlt werden oder verbrennt
zu Aschn und Wasserdampf.
Zu DIE Herrn ghörst dann du,
wann wieder a Hitla kummt.

Aus: “Der Himmel ist heut aus Papier”, Klever Verlag
( http://klever-verlag.com/buecher/der-himmel-ist-heut-aus-papier/)